Allgemein & Lesungen 27 Jun 2006 21:03
… und sie kamen doch! Werkstattgespräch im »Café Sarah« und die Fußball-WM
Krimi oder Fußball? Wie ich einen Fußball-Krimi versäumte
Ehrlich gesagt interessiert mich Fußball eher am Rande. Klar, es ist ein tolles Mannschaftsspiel, die Regeln sind einfach und die Begeisterung groß. Ein Tor zu schießen ist wie … Sie wissen schon… jedenfalls ruft das angeblich ganz spezielle Assoziazionen und Gefühle hervor. Klar kriege ich auch mit, welcher Club gerade die Bundesligatabelle anführt und welcher absteigt oder ob ein Trainer gefeuert wurde und ein neuer kommt. Schließlich höre ich Nachrichten und lese Zeitung. Doch eine Fußball-Weltmeisterschaft, vor allem diese bisher so fröhliche und völkerverbindende ist etwas Besonderes. Das Ballfieber hat auch mich erwischt. Also schaue ich mir das eine oder andere Spiel an, wenn ich nicht gerade etwas anderes zu tun habe.
Am vergangenen Donnerstag, den 22.06.2006, zum Beispiel fand fast zeitgleich mein Werkstattgespräch im "Café Sarah" und ein Fußballspiel, das ich gerne gesehen hätte, statt. Die Nationalmannschaft meines Heimatlandes Kroatien spielte bei subtropischen Temperaturen gegen die Jungs aus Australien. Das Daimler-Stadion war ausverkauft. Für die vielen Stuttgarter kroatischer Herkunft (es sind ca. 15.000) war es das Spiel überhaupt. Es ging ja um Alles oder Nichts. Auf dem Schlossplatz war der Bär los. Den ganzen Tag sah man rot-weiß-beflaggte Autos, rot-weiß-karierte Fans strömten in die Stadtmitte und ins Stadion. Es herrschte wie die ganzen Tage zuvor prächtige WM-Stimmung. Auf dem Weg zum "Cafe Sarah" geriet ich in das Autokorso der italienischen Fans, die gerade ihre Mannschaft feierten. Italien war weiter gekommen. Bene, bene … Im Kleinwagen vor mir saß ein junger Mann am offenen Fenster, klammerte sich mit einer Hand am Autodach fest, in der anderen hielt er die italienische Fahne, die um ihn herumflatterte, so dass er zeitweise nichts sehen konnte. Das Hupkonzert war ohrenbetäubend. Ich hielt lieber extra großen Abstand zum Vordermann. Man weiß ja nie … Heute ist wohl kein so günstiger Abend für ein Gespräch über das Schreiben und den Literaturbetrieb im Allgemeinen, die Verlagsuche und das Veröffentlichen von Büchern im Besonderen, überlegte ich, als ich im "Café Sarah" ankam. Außer der netten Frau hinter der Theke, war noch kein Mensch da. Ich bestellte einen Kaffee. Wenn zwei oder drei Zuhörerinnen kamen, konnte ich froh sein. Fußball ist nun mal eine tolle Sache und keine reine Mänenrsache mehr! Meine Nachbarin verpasst kein einziges Spiel. Deshalb war ich auch nicht so nervös wie sonst vor Lesungen. Gegen halb acht kam die Leiterin des Kulturzentrums "Sarah", Frau Elke Scholz, und kurz darauf auch die Journalistin Steffi Wider-Groth, die den Abend moderieren sollte. Es würde bestimmt ein nettes, aber kurzes Gespräch in kleiner Runde werden, meinte ich, und bestellte noch eine Tasse Kafee. Doch kurz vor acht Uhr kamen sie doch! Zwar nicht in Scharen, aber immerhin neun sehr am Schreiben interessierte und fußballresistente Frauen. Frau Wider-Groth stellte mich kurz vor und ich bentwortete anschließend viele Fragen rund ums (Krimi)Schreiben, Veröffentlichen und das Leben als Autorin und Herausgeberin und Übersetzerin und Dolmetscherin. Es war ein schöner Abend, trotz der unerträglich hohen Temperaturen und des verpassten Fußballspiels – oder gerade deshalb? Als ich ins Auto stieg und nach Hause fuhr, hörte ich im Radio gerade noch den Schlusspfiff. Aus! Das Spiel ist aus! Die Australier haben gewonnen! Die Kroaten hatten verloren, obwohl ich ihnen in Gedanken ab und zu die Daumen gedrückt hatte. "Es war ein spannendes Spiel, ein echter Fußball-Krimi", kommentierte der Radiosprecher. Tja, ich fand es irgendwie schade, dass ich es nicht gesehen hatte. Doch eigentlich sehe ich es sportlich: Die Besseren mögen gewinnen! Am kommenden Samstag spielt in Stuttgart die deutsche WM-Elf gegen … wen? Warten wir's ab. Ich bin fast sicher, es wird wieder ein Fußball-Krimi werden. Und bis 9. Juli sind es noch ein paar Tage …
Viel Spaß beim Mitfiebern wünscht allen Silvija Hinzmann
on 09 Nov 2006 at 14:29 1.Hervey said …
… es wäre doch noch interessant gewesen – grade in Hinblick auf Kriminalstoff, weshalb es denn ein Fußball-KRIMI war … Hatte jemand den Ball gestohlen? War das Fußballtor widerrechtlich versperrt worden? Haben statt 11 in einer Mannschaft 13 Spieler gespielt? Hat der Mittelstürmer einen Orkan verursacht? Oder war gar der Schiedsrichter bestochen? Ach nein, auf solche glitschigen Bahnen ließe sich ein Schieri doch nie verführen …